Viertelfinale und weitere Begegnungen…

Viertelfinale und weitere Begegnungen...

Nach einer wunderbaren Erholungspause im Nationalpark von Waldai, geht es weiter in Richtung Twer und Sergey Pasad. Die ersten Vorboten auf den „Goldenen Ring“. Imposante Kirchen, riesige Klosteranlagen, alte Städte und Kulturdenkmäler, die wie auf einer Perlenschnur aneinandergereiht, den „Golden Ring“ im Umkreis von Moskau, bilden. Zu Zeiten den eisernen Vorhangs, war es für ausländische Touristen nicht möglich den kompletten Golden Ring zu besuchen.

Auf dem Weg nach Twer nutzen wir wieder einmal die Gelegenheit zum Couchsurfen und treffen uns mit Alexey. Er kommt uns 30 km vor Bologoe, unserem heutigen Tagesziel, mit dem Rad entgegen, um mit uns zusammen zu sich nach Hause zu fahren. Wir haben in den nächsten Tagen viel Gesprächsstoff, denn Alexey hat schon zahlreiche Radreisen unternommen. Vor einem Monat kam er erst von einer Radreise aus Island zurück. Wir bleiben zwei Tage. In dieser Zeit besuchen wir die Familie von Alexys Frau, 15km außerhalb von Bolgoe. Gut das wir mit dem Auto fahren, denn die Straße mit dem Rad zu fahren wäre eine einzige Torture. Der Regen der letzen Tage, hat dieser Straße ordentlich zugesetzt. In ländlicher Idylle verbringen wir den Nachmittag mit einem Spaziergang durchs Dorf, einem Besuch auf einem kleinen Reiterhof, einer Reitstunde, Saunabesuch und abschließend mit einem Grillabend. Was für eine Gastfreundschaft. Am nächsten Morgen packen wir schweren Herzens unsere Sachen und besuchen Alexy ein letztes Mal auf Arbeit. Er arbeitet im örtlichen Krankenhaus und wir nutzen die Mittagspause für ein letztes Foto. Hoffentlich sehen wir uns, vielleicht sogar in Leipzig, wieder.

Von Bologoe aus nutzen wir wieder einmal die bequeme Art des Reisens. Wir springen in den Zug, um die immer noch sumpfige und mit wenig befahrbaren Straßen ausgestattete Gegend hinter uns zu lassen. Unser Plan ist es bis nach Kalaschnikovo zu fahren und die restlichen 90 km nach Twer zu radeln. Doch als wir den Bahnhof von unserem vermeintlichen Zielort erblicken, mitten in der Pampa, lösen wir ein weiteres Ticket bis Twer. Das tut auch mal gut und unsere Knochen danken es uns.

In Twer haben wir ebenfalls eine Bleibe via Couchsurfing gefunden und übernachten bei Natjeschka. Sie wohnt mit ihrer Mutter und ihrer Schwester zusammen in einer gemütlichen Wohnung am Rand von Twer. Wieder einmal werden wir mit viel Liebe bewirtet und umsorgt. Doch bevor wir am Abend unseren Schlafplatz aufsuchen, haben wir durch unsere Anreise mit dem Zug, den Nachmittag Zeit die Stadt zu erkunden. Wir besuchen so manche schöne Ecke und das ein oder andere Cafe. In Twer spricht uns Ivan auf der Straße an, um einen kleinen Smalltalk mit uns zu halten. Auch er bietet uns sofort für die Nacht eine Schlafmöglichkeit an. Doch wir haben ja schon eine und lehnen dankend ab. Wir verabschieden uns und setzen unsere Stadterkundung weiter fort. Zwei Tage später werden wir Ivan, 80 km weiter noch einmal wiedersehen.

Nach einer schönen Zeit in Bologoe und Twer schwingen wir uns endlich wieder auf unsere Räder und radeln Richtung Sergey Pasad. Unsere Zwischenetappen sind kleine, verwunschene Ortschaften, in denen wir immer wieder einen schönen Platz für unser Zelt finden. Doch das Wetter wird zunehmend wechselhafter und so beratschlagen wir, im Schutz einer Bushaltestelle, als es wieder einmal für einen kurzen Moment aus Eimern schüttet, wo wir für die Nacht unser Zelt aufschlagen wollen. Der einzige Wunsch der uns beide sofort bewegt, ist eine heiße Dusche. Wir finden einen Campingplatz, was in Russland eher die Ausnahme ist und folgen der Wegbeschreibung die nächsten 20 km. Am Bestimmungsort angekommen, entpuppt sich der vermeintliche Campingplatz als Resort mit allen drum und dran. Die Russen müssen eben immer übertreiben. Wir suchen uns einen Platz, auf dem abseits gelegenen Gelände für Zelte. Man kommt sich etwas ausgegrenzt vor, aber das ist auch nicht ganz so verkehrt bei dieser Art von Campingareal. Den Abend gönnen wir uns dann aber in der hauseigenen Bar, zum Fussball schauen. Als wir eintreffen kommt es eher einem Public Viewing gleich. Es gibt Stände an denen heimische Bierbrauer aus der Region ihre Crafbeer-Kreationen anpreisen. (Leipzig Lindenau lässt grüßen). Der Trubel ist wahnsinn. Heute spielt Russland gegen Kroatien im Viertelfinale. Die Masse tobt. Kurz vor dem Elfmeterschießen treffen wir Ivan aus Twer wieder. Welche Freude. Er ist Kameramann und macht für das Campingresort gerade ein neues Imagevideo. Wir plaudern einen Moment und dann muss Ivan auch schon wieder los, um die ausgelassene Stimmung einzufangen. Was für schöne Begegnungen.